DAS WAR ...Ein Projektbericht von Heide Rohringer AutorInnengespräch /Jän. 2006Sauschneiden / Feb. 2006Am Ende sind wir das, was wir versuchen loszuwerden / April+Mai 2006Text
und Inszenierung: Simone Weinbacher Thema / Inhalt Das Zwei-Personen Stück bietet einen fragmentarischen Einblick in verschiedene Stadien einer alltäglichen Beziehung. Vom Kennenlernen und dem gemeinsamen Spiel über die eigene Selbstdarstellung bis hin zum Verlust eines WIR - Gefühls. Projekthintergrund „die selbst gestellte Aufgabe" Das ursprüngliche Vorhaben bestand in der Herausforderung das Thema „Beziehungen“ durch eine spezielle Form der Teamarbeit einer Autorin und eines Autors neu zu beleuchten. Unabhängig und ergänzend sollte geschrieben werden, nicht gemeinsam. Und danach wollte das Autorenteam auch gemeinsam inszenieren. Eine weitere, besondere Herausforderung, die nicht nur unterschiedlichste Kompetenzen sondern auch das Vereinen unterschiedlicher Sichtweisen verlangt. Wie das Leben so spielt, tragen Zufälle oft noch zu einer Verschärfung bei. Und so musste der Autor wegen Veränderung seiner persönlichen Lebenssituation nach den ersten Vorgesprächen die Projektarbeit beenden. Simone Weinbacher übernahm bereitwillig die Aufgabe, das geplante Vorhaben alleine zu realisieren. Die Inszenierung Vieles, was zu einer geglückten und packenden Inszenierung beiträgt, kann man weder erklären noch lernen. Es hat kaum etwas mit Ideenreichtum und sehr viel mit Intuition zu tun. Man hat es „im Blut“ und erkennt spontan was zu tun ist. Und erst nach dieser Entscheidung kommt die erlernbare Fachkompetenz zum Einsatz. Das Kunststück „Regie“ besteht deshalb nicht darin den Darstellerinnen etwas aufzuzwingen, sondern sie dahingehend zu inspirieren, die Intentionen des Autors zu erkennen und ihnen auf natürliche Weise zu folgen. Der / die Regisseurin hat somit nicht die primäre Aufgabe des völligen Neugestaltens sondern des deutlichen Sichtbarmachens und steht somit im vermittelnden Dienste zwischen AutorIn, DarstellerInnen und Publikum. Derartiges ist schon bei der Inszenierung von Fremdtexten nicht einfach. Bei eigenen Stücken besteht zusätzlich immer die Gefahr, dass die eigene Autorenposition zu dominant ist und die Möglichkeiten der Schauspielerinnen beschneidet. Inszenierungsarbeit in diesem Verständnis verlangt eine besondere Gabe und wo derart verwurzelte Theatermenschen zusammentreffen entsteht etwas, das sich jeder Beschreibung entzieht und als Aufführung die Zuschauer in Bann zieht. Simone Weinbacher hat diese besondere Gabe nachweislich im Blut und mit Philipp Limbach war ein entsprechender Schauspiel-Partner für das Projekt gewonnen worden. Aber auch Martina Reiter erwies sich als Gleichgesinnte und so konnte in einem zeitlich extrem knappen Rahmen eine überaus packende Inszenierung erarbeitet werden. Das war zu sehen Schwungvoll und überaus unterhaltsam führt die Inszenierung in Momente einer Beziehung. Man schmunzelt und lacht über dynamisch inszenierte Alltäglichkeiten, die man sehr gut kennt, auch wenn sie im eigenen Alltag kaum unterhaltsam empfunden werden. Als gewähltes Sinnbild beeindruckend ist u.a. die
choreografisch schwungvoll gestaltete Situation des
Sockenzusammenlegens. Zwei erwachsene Menschen im Wettstreit um die
„richtige“ Art zwei passende Socken zu falten bzw. ineinander zu
stecken. Persönliche Erinnerungen und Assoziationsketten werden frei, bei fast allen ZuschauerInnen. Das merkt man am Lachen und den getuschelten Bemerkungen am Ende der Szene und des Lachens die Ernüchterung, der Schmerz. Beziehung, eine Kette nur nadelstichgroßer Totschläge,
bevor man wieder zum Alltag übergeht. Beziehung, eine Verkettung menschlicher Einsamkeiten, Wünsche
und Hoffnungen. Manchmal hilft Sex, führt Versöhnung wieder zueinander und glättet die Wogen. Aber auch Sex kann Wettstreit sein, Teil des Beziehungskampfes werden. Beziehung, eine stete Abfolge von Mustern und Auflehnung dagegen. Trotz allem etwas, worauf Frauen und Männer ihre größten Hoffnungen und Erwarten legen. Eine nachträgliche Betrachtung Erstaunlich schien, dass am Text kein Mann beteiligt war und dennoch kein „Frauenstück“ entstanden ist. Im Gegenteil, der durchaus unterschiedlich zu nennende, geschlechtsspezifische Umgang mit Emotionen wurde sehr differenziert ausgearbeitet und keineswegs marktschreierisch eingesetzt. Wie die Publikumsreaktionen im anschließenden KünstlerInnengespräch zeigten, beeindruckte vor allem die Leichtigkeit der Inszenierung, mit der ein keineswegs leichter Stoff unterhaltsam transportiert wurde. Als Projektleiterin und äußerst kritische ZuschauerIn muss ich bekennen, dass dem Stück nichts fehlt und der Freiraum für einen Autor weder im Text noch in der Inszenierung erkennbar ist. Eine, in allen Belangen handwerklich fundiert und konsequent gearbeitete Inszenierung, die den SchauspielerInnen ebensolche Konsequenz und viel Können abverlangt. Die ZuschauerInnen in Bann zu ziehen, sie mit spielerischer Leichtigkeit in Sekundenbruchteilen aus dem Lachen in den Schmerz und auch wieder zurück ins Lachen führen zu können, ist das was große KünstlerInnen ausmacht. Wenn das bereits am Beginn des künstlerischen Lebens gelingt, so verdient es besondere Anerkennung und Beachtung. |
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